Im Gespräch mit Thomas Gentsch

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IM GESPRÄCH

THOMAS GENTSCH

Immer, wenn ich Gentsch auf einem Contest über den Parcours laufen sehe, muss ich unweigerlich an Kai Ebel in der Boxengasse bei einem Formel-Eins-Rennen denken! Immer an vorderster Front.

Immer, wenn ich Gentsch auf einem Contest über den Parcours laufen sehe, muss ich unweigerlich an Kai Ebel in der Boxengasse bei einem Formel-Eins-Rennen denken! Immer an vorderster Front.

Ralf Middendorf / Limited Magazin Issue 100

Interview – Fabian Reichenbach / Stefan Gotti

Yo, Gentsch! Erstmal cool, dass du dir die Zeit genommen hast. Fangen wir mal ganz allgemein an: Was hast du heute so getrieben? Du arbeitest ja mittlerweile bei Titus.
Ja, genau. Ich arbeite mittlerweile bei Titus und muss sagen, dass ich da nicht gerade unterfordert bin. Aber das passt voll, denn ich habe lieber zu viel als zu wenig Arbeit. So wird einem wenigstens nicht langweilig. Wenn man etwas zu tun hat, versucht man außerdem auch besser in dem zu werden, was man macht. In der letzten Zeit war ich mal wieder richtig viel unterwegs. Vor einigen Wochen war ich mit dem neuen Titus Skateboards Teamfahrer Alex Elfing aus Schweden am Fotografieren. Der Kollege hat an den beiden fetten Rails bei der Euro SB erst einmal einen bs 5-0 und darauf einen bs 50/50 gemacht, bevor ich meine Kamerasachen überhaupt aufgebaut hatte (lacht!). Danach war ich beim Battle of the Shops. Da war Flo Marfaing unser Host. Freitag war Flo bei mir und wir haben gegrillt. Dabei schauten wir uns alte Mussa-Interviews an und Zeug, das wir mit Limited zusammen gemacht haben. Also kurz gesagt, ließen wir die letzten 20 Jahre noch einmal Revue passieren. Richtig cool! Danach ging es für mich nach Barcelona und anschließend direkt zum COS Cup nach Köln – volles Programm also.

 

Da fängst du mit etwas an, das ich eh schon fragen wollte. Wie erinnerst du dich an die ganze Mönchengladbach D.O.M.E Zeit? Ist dir da irgendeine Szene im Kopf geblieben?
Mindestens drei (lacht!)! Als ich mit 15 oder 16 Jahren das erste oder zweite Mal in Mönchengladbach war, stand Andi Newchurch hinter der Theke am Eingang und kassierte Eintritt. Und klar, man kannte Mussa Najras zwar aus der Monster, aber er war an diesem Tag eben auch da und legte ohne Vorwarnung  einfach seinen Pimmel auf den Tresen (lacht!). Kein Scheiß! Newchurch meinte einfach nur, dass der ja verdammt klein sei. Mussa antwortete: „Alter, der schläft noch!“, wobei er laut lachte. RIP Mussa, du warst einer der Besten! Das ist der erste Moment in dieser Stadt, an den ich mich wohl mein Leben lang erinnern werde. Der zweite Moment, der einen bleibenden Eindruck hinterließ, war sogar fast am selben Tag. Man muss bedenken, dass damals Mehmet Aydin und Mussa die Chefs im Ruhrgebiet zwischen Köln, Bonn und Frankfurt waren. Mit denen hast du dich einfach nicht angelegt. Die waren auch irgendwie unnahbar. Das war damals nicht so wie heute, dass dir ein Denny Pham den Kickflip erklärt, sondern eher so in Richtung: „Fahr’ mir einfach nicht in den Weg, Kleiner!“. Einmal fuhr ich Mehmet in den Weg. Dieser skatete damals für Girl und hatte ein nagelneues Girl-Board mit OG Girl Design. Naja, und ich hab’ ihn an der Quarter halt gesnaked, was dazu führte, dass er sein Board wie ein Geschoss in die Ziegelmauer pfefferte. Die Nose war komplett hinüber und das Schlimme war, dass er sich das Board erst fünf Minuten vorher zusammengebaut hatte. Ich habe dann nur seinen Blick kassiert, der mir sagen wollte: „Das ist alles nur deine Schuld! Nur weil du mir in den Weg gefahren bist, musste ich jetzt mein Board zerstören.“, aber ich lebe noch. Ein dritter Moment oder eine Zeit lang eher ein Dauerzustand war, dass ich mit David Luther in seinem alten Peugeot 206 bestimmt 200 mal nach Mönchengladbach gefahren bin. Er hat damals noch in Bad Honnef, südlich von Bonn, gewohnt. Da er Richtung Gladbach logischerweise in Köln vorbeikam, nahm er mich immer gleich mit. Das musste ich noch erwähnen, weil ich ohne David niemals so oft in Gladbach gewesen wäre. Das war immer cool, danke Bro.

 

Bist du dann in Gladbach auch deinen ersten Contest gefahren? Ne, das sind alles Sachen gewesen, die einfach so passiert sind, als ich in Gladbach war und nicht im Rahmen eines Contests. Mein erster Contest, bei dem ich selber mitgeskatet bin, war der Köllefornia Cup North Brigade 1993 in Köln. Da waren original Ed Tempelten, Chet Thomas, Rune,… mit dabei. Das war voll crazy und alles ziemlich international. Bei diesem Contest ist auch mein erstes Bild in der Monster entstanden und ich bin bei der B-Gruppe Street tatsächlich Dritter geworden. Echt cool, dass Helge damals sogar ein Bild von meinem fs Noseblunt an der Quarter gemacht hat.

Das war voll crazy und alles ziemlich international.

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Crail to Tail / Foto – Tim Otto

Also bist du gleich bei deinem ersten Contest Dritter geworden und hast direkt ein Bild in der Monster gehabt? Läuft bei dir! Naja, um ehrlich zu sein, war das Bild ja eher eine etwas größere Briefmarke und außerdem in Schwarz-Weiß, obwohl an dem Tag die Sonne geschienen hat. Aber hatte riesige New Deal Big Pants in Braun – natürlich abgeschnitten- und Vans Classics an und skatete ein Birdhouse Steve Berra Board.

 

Und 48er Wheels? Nein, 38 Millimeter natürlich! Und das waren damals die fetten Rollen (lacht!). Ich müsste die Ausgabe, in der mein Foto ist, eigentlich noch irgendwo herumliegen haben.

 

Weißt du, wie viele Fotos du als Skater insgesamt in Magazinen hattest? Im Monster waren es vielleicht so zehn Bilder. Ganz besonders stolz war ich damals auf einen Bs Tailslide am Museumscurb, den hatte ich gerade gelernt, Helge hat ihn sofort photographiert und das Bild kam, wenn auch nur sehr klein, sogar in das folgende Monster Skateboard Magazin. Im Place Magazine hatte ich mal eine Doppelseite mit einem Nollie Inward Heelflip to fakie in Brüssel, geschossen von Arto Saari – den feiere ich auch heute noch hart, weil ich ihn danach nie wieder so gut gemacht habe. Und dann gab es ja noch das Cover, Fs Nosegrind am „Posse-Curb“ an der Domplatte, 1995. Ich denke abgesehen von Claus Grabke und Florian Böhm bin ich wahrscheinlich der einzige Photograph, der jemals ein Cover sowohl als Skater, als auch als Photograph hatte (Matthias „Moki“ Ellinger, Fs Smith an dem Curved 14ner Rail in Frankfurt, Ausgabe 334). Für beides möchte ich mich bei den jeweiligen Redaktionen nochmals herzlichst bedanken, besonders dafür, mich damals als (eher mittelmäßigen) Skater aufs Cover zu nehmen.

 

Wie bist du eigentlich zum Fotografieren gekommen und wie lange machst du das jetzt eigentlich schon?  1989 bekam ich mein erstes Board. Das war eine Woche vor Weihnachten, denn da habe ich Geburtstag. Das war schon ein richtiges Set-Up von Santa Cruz mit Indy Achsen und OJ Wheels und so (lacht!). Und ein Jahr später bekam ich meine erste Spiegelreflexkamera. Eine gute alte Praktika, gebaut von Gefängnisinsassen in der ehemaligen DDR. Das war damals eine recht gute Kamera in Deutschland. Sie war zwar ziemlich einfach, funktionierte aber. Meine erste Verschlusszeit war 1/125 (lacht!). Mein Vater meinte damals, dass das Dicke reichen müsse fürs Skateboarding. Unwissend, wie ich war, schoss ich also den ersten Diafilm mit dieser Verschlusszeit und als er dann entwickelt war, konnte man sofort sehen: Jep, das 1/125stel sieht auf Diafilm genauso aus, wie es heute auch bei ASA 100 aussehen würde, nämlich komplett verschwommen (lacht!). Da merkte ich dann sehr schnell, dass man bei der Verschlusszeit ruhig ein bisschen höher gehen kann. Richtig geil war, dass Lambertin an der Domplatte, ein Fotoladen hier in Köln, abgelaufene Sensia Filme mit Entwicklungsgutschein im Angebot hatte. Das kostete zusammen dann 3,95 Mark gekostet. Die Filme waren zwar einen Monat abgelaufen, aber dafür hattest du für vier Mark schon die Entwicklung mit dabei. Das Entwickeln dauerte damals auch nur einen Tag gedauert und nicht wie heute eine Woche. Ich kaufte dann wirklich fast einen Film gekauft pro Tag. Weil wir gerade dabei sind, Veith Kilberth war der Erste, mit dem ich richtig Fotos gemacht habe.

 

Wen hast du denn am Anfang sonst noch so alles fotografiert? Da war auf jeden Fall viel Tobi Hunger dabei, wobei Veith Kilberth aber auf jeden Fall der Erste war, mit dem ich an der North Brigade gestartet habe. Er war auch immer viel mit Tobias Hunger unterwegs. Eines Tages waren wir zu Dritt an der North und ich hatte das erste Mal meine Kamera mit Blitz dabei. Das war dann auch der erste Film, bei dem ich mir dachte: Jo, das sieht ja eigentlich ganz cool aus. Leider hatte ich nur ein schäbiges 28 mm Weitwinkelobjektiv auf der Kamera. Witzigerweise war damals auch Helge da, der mit Hunger Bilder am Rail machte und seinen Metz Slave Blitz mit Fotozelle dabei hatte. Damals war er eben auch noch nicht so weit, wie heute (lacht!). Ich fragte ihn, ob ich seinen Blitz einmal ausprobieren könnte und so kam ich zu meinem ersten Slave-Flash Bild von Hunger am Rail.

Wenn man etwas zu tun hat, versucht man außerdem auch besser in dem zu werden, was man macht.

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War das auch der erste Tag, an dem dich Helge so ein bisschen unter seine Fittiche genommen hat? Ne, denn das hat Helge nie gemacht, bis auf 1998 oder so. Er dachte sich, glaube ich, immer: „Ach, der Gentsch, der spielt da nur ein bisschen rum, das geht zwar schon alles, was er da macht, aber das ist nur Spielerei!“. Aber ich hatte eben auch noch nicht das richtige Equipment. Man kann nicht erwarten, mit dem adaptierten Fischauge einer Videokamera auf dem Weitwinkel gute Bilder zu machen. Das habe ich damals nämlich auch ausprobiert (lacht!). Natürlich sind die Bilder dann Schrott. Wenn du kein anständiges Fisheye hast, kannst du auch keine anständigen Fisheye-Bilder machen. Als ich aber dann meine Hasselblad bekommen hatte und Helge fragte, was ich damit machen müsse, meinte er nur so: „Blitz manuell auf Vollgas und so nah ran, wie’s nur geht!“. Die erste Rolle, die ich auf der Hasselblad geschossen habe war mit Brian Anderson. Das habe ich dann tatsächlich nur mit zwei Blitzen geschossen, wie Helge mir gesagt hatte. Als die Rolle zurück aus dem Labor kam, rief ich sofort Helge an und sagte: „Ey, die erste Rolle ist wieder da und sie ist perfekt“. Helge antwortete nur: „Ach, dann hast du also gemacht, was ich gesagt habe!“ (lacht!). Von da an war er wohl, glaube ich, etwas überzeugter von mir. Trotzdem waren wir immer sehr gut befreundet und er hat im Laufe der Zeit eben auch alle Bilder, die in der Monster erschienen sind, von mir geschossen. Ich war mit ihm einige Male für Etnies in Amerika und wir nahmen immer denselben Flug plus den Mietwagen. Da gab es dann auch einen legendären Rückflug. Als das erste Sido-Album heraus kam, ging Helge total drauf ab. Ich hatte das damals auf meinem zweiten iPod dabei und wir hörten es rauf und runter. Ob im Mietwagen, am Pool oder im Hotel, egal, immer Bam Bam, Bumm Bumm, die Mukke. Wenn Helge etwas dermaßen abfeiert, ist das so witzig, dass du das automatisch auch tust. „Boa, ist der Song geil, der ist so fett, so geil, yeah!“, so ist er dann drauf (lacht!). Im Zuge der Tour fragte er mich , wie ich eigentlich immer so gut auf die langen Flüge klar käme und pennen könne. Daraufhin meinte ich: „Helge, ganz einfach. Fünf Rotwein und dann ist das easy!“ (lacht!). Also wir waren dann auf dem Rückflug und hatten unsere Plätze in Reihe 25 eingenommen, was massig Beinfreiheit bedeutete, weil wir am Notausgang saßen und uns niemand störte. Wir hatten sozusagen einen Business-Class Flug für den Eco-Preis. Auf jeden Fall wollte Helge das mit dem Rotwein ausprobieren. Er stellte sich zwei/drei Gläser in den Kopf und hörte dabei Sido. Je angeheiterter wir wurden, umso lauter sangen wir den Arschfick-Song mit. Das fanden die anderen Fluggäste und die Stewardessen überhaupt nicht witzig. Das ging so weit, dass sie uns aufstehen ließen, in die Küche mitnahmen und zu uns meinten: „Entweder haltet ihr jetzt euer Maul oder ihr fliegt nie wieder Lufthansa.“ Ich antwortete, dass das schon ginge, wenn ich nur noch ein letztes Bier bekäme. Und ohne Scheiß, ich bekam noch eins (lacht!). Danach war ich den gesamten Flug still.

Ein bisschen Olympia hier,
ein bisschen Slappys to Polegrinds da.

Da wir schon beim Reisen sind: Was war so deine bedeutendste Tour? Woran kannst du dich noch besonders gut erinnern? Naja, du kannst Touren nicht immer direkt vergleichen. Man muss immer zwischen einer Flip-Tour, bei der du zu Demos in Skateparks fährst, zwischendurch versuchst noch Street zu skaten und dabei deine 3500 Kilometer quer durchs Land fährst und einer Tour mit Apartment,  in dem du chillen kannst und bei der du nicht nur im Auto sitzt, sondern an einem festen Ort bist, unterscheiden. Was Demo-Touren angeht, sind die Flip-Touren auf jeden Fall die besten gewesen. Wenn du da so Touren hast, bei denen du in Skateparks kommst, wo 1000 Leute auf dich warten, ist das schon heftig. Wenn du nicht mal mehr skaten kannst, weil so viel Schweiß in der Luft ist, dass er kondensiert und dann den Skatepark rutschig macht. Kein Scheiß, wir hatten eine Demo in South Carolina, wo es 30 Grad im Schatten hatte, aber es aus Kübeln regnete. Du willst nicht wissen, wie feucht es in der Halle war (lacht!). Aber die geilste Tour ever war eigentlich 2013 mit Sweet (heute Sour) und wirklich allen: Big Daddy Master Erik J. Pettersson, Gustav Tønnesen, Koffe, Daniel Spängs, Björn, dem Team-Manager, ist eh klar und dem Skatemafia Team. Wir waren einen Monat zusammen in San Diego. Ich wurde erst zwei Wochen vorher eingeladen. Boon, ein Fotograf aus Schweden, durfte aus irgendwelchen Gründen nicht in die USA einreisen, weshalb sie keinen Fotografen hatten. Dann überlegten sie, wen sie fragen könnten, der einen Monat Zeit hat. Nachdem ich davor schon einmal mit den Jungs in Berlin auf Tour war, klingelten sie bei mir durch: „Bock auf einen Monat San Diego?“ Gegenfrage: „Bezahlt ihr? Jo! Ok, fuck yeah!“ (lacht!). Das war der wildeste Monat ever. Jeden Tag waren wir mit der Skatemafia unterwegs, immer mit zwei Vans. Jede Crew hatte einen Van und bei denen saß wirklich die komplette Skatemafia drin – wirklich jeden Tag Wes Kremer, Tyler Surrey, Larelle Grey, Jimmy Cao, wie eine Familie, alle aufeinander. Wir waren in diesem einen Monat nur zweimal am Skatepark und fuhren ansonsten nur Street. Und jetzt kommt’s! Wir wurden nur einmal gebusted, was mich wundert, denn wir standen Downtown genau gegenüber von einem Polizeirevier und fuhren ein Curved Curb. Im Van wurde Bier getrunken und bei offener Tür Joints geraucht, aber niemanden hat das gejuckt, völlig easy. Das war echt geil, mit 15 Mann einfach durch die Straßen und über Kreuzungen zu pushen. Jeden Abend ging auch noch fett die Party bei uns im Haus ab. Erik J Peterson stellte mal wieder unter Beweis, was für ein Styler er ist. Nach drei Tagen machte er eine Ami-Perle klar und gab ihr anfangs nur Gitarrenunterricht. Nach einer Woche legte er sie halt auch noch flach und war dann auch mal zwei Tage zwischendurch weg (lacht!). Dann kam er für einen Tag wieder, machte drei krasse Tricks und haute wieder ab zum Gitarrenuntericht. So ist er eben.

Man kann nicht erwarten, mit dem adaptierten Fischauge einer Videokamera auf dem Weitwinkel gute Bilder zu machen.

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fs Tailslide / Foto – Helge Tscharn (1999)

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bs Tailslide / Foto – Helge Tscharn (1998)

Wie kam es eigentlich dazu, dass du mit so krassen Leute rumhingst? Es ist ja nicht selbstverständlich, dass man mit den Amis so dicke ist. Das ist eine total komische Geschichte. Die ersten Male, als ich die Jungs gesehen habe, waren echt frostig. Auf der Flip Sorry Premiere betreute ich dann aber zum ersten Mal Arto Saari, Ali Boulala und Bastien Salabanzi, da Flip von Urban vertrieben wurde und Limited von Urban war. Zunächst waren die Jungs, wie schon erwähnt, eher „kalt“, aber als wir dann Streetskaten gingen, hat es Klick gemacht, als Arto gesehen hat, dass ich nicht nur so ein „Vertriebstyp“ bin, sondern auch richtig Fotos mache. Ich wollte eigentlich mit den Jungs an die roten Quarter in Wilhelmsburg, aber wir wurden fälschlicherweise einen Stadtteil daneben zu solchen Wobbles geschickt. Naja, dann skateten wir diese blöden Wobbles einmal und bis wir bei den Quartern waren, hatte es übelst angefangen zu pissen. Wir konnten sie dann doch nicht skaten. Ich meinte dann nur zu Arto, wie schade ich das fand, denn ich hätte dort gerne noch ein Hasselblad-Bild gemacht. Da wurde er hellhörig: „Was, du hast eine Hasselblad?“ Ich antwortete: „Jo!“. Er so: „Ich auch!“. Ab dann ging der Nerdtalk los und seitdem wurde ich immer angerufen, wenn die Jungs in Deutschland oder später auch in Europa oder den USA Tour-Bilder brauchten. Mein Schlüssel zur Flip-Crew war also im Grunde wirklich meine Kamera.

 

Wie hat das denn so alles mit Limited angefangen? Was war dort dein konkreter Job? Ich kenne Dirk Vogel, der mittlerweile für Boardsports schreibt. Da er in Wiesbaden Skater war und Jörg und Christian kannte, fing er bei Urban an. Das bedeutete auch, dass er von Anfang an bei Limited am Start war. Er fing dort als Grafiker an, beziehungsweise brachte sich das dort schleichend bei. Er sprach mich irgendwann einmal auf meine alte Praktika Kamera an. Ich solle ihm doch mal ein paar Fotos schicken, wenn ich Lust hätte, weil sie ein neues Magazin starten würden. Und so hatte ich dann schon in der zweiten Ausgabe von Limited ein Bild und zwar das von meiner ersten Fotosession mit Veith Kilberth. Dadurch wurden es im Laufe der Zeit immer mehr. Damals waren Gerhard Stochl und Hansi Herbig als Fotografen noch viel am Start. Die gehören auf jeden Fall auch zu den Wegbereitern von Limited. Ich war damals immer total neidisch auf die beiden, denn sie hatten schon ein ordentliches Fisheye drauf (lacht!). Dann kam auch schon 1998 der erste USA Trip. Ingo Naschold, Markus Lessner, Sebi Vellrath und ich verbrachten drei Wochen in LA auf Kosten von Plainsane, einer Blank-Boardfirma zu dieser Zeit. Wir buchten uns drei Wochen lang ins Holiday-Inn Crown Plaza – keinen Dunst, wie das hieß – ein. Wir hatten das volle Programm: Du kommst an und deine Karre wird dir erst einmal geparkt. Aus irgendeinem Grund lernten wir dann Manager-Typen kennen, über die wir an einen Executive-Floor-Schlüssel rankamen. Damit kam man damit hoch auf den Dachpool mit Freibier und so. Lessner war noch keine 18, aber die hatten da noch nicht mal eine Alterskontrolle (lacht!). Das war der erste richtige Gentsch Limited-USA-Trip. Im Grunde entstand dabei der erste richtig fette USA-Artikel mit „ich hab mein Fisheye endlich“ und solchen Sachen.

Dann schoss ich das Mussa-Interview, nachdem er aus dem Knast rausgekommen war.

Gut, das waren jetzt ja die Anfänge. Wie ging es mit dir und Limited weiter? Ich hatte anschließend meine ersten Cover und richtigen Touren. Meine erste richtige Tour, bei der ich von Stadt zu Stadt mitgefahren bin, war mit Element. Bobby Puleo fuhr bei mir im VW Jetta, meinem ersten Auto, mit. Im Van saßen Schützi, Reese Forbes, Kenny Hughes, Stefan Lehnert, Tim O’Conner und Dan Wolfe. Ich fand’s aber cool, dass Bobby bei mir mitfahren wollte. Mega krass, dass einer der Pros bei mir im Jetta gesessen ist. Dann schoss ich das Mussa-Interview, nachdem er aus dem Knast rausgekommen war. Darauf folgte die erste DNA-Tour. Contests kamen sowieso einer auf dem anderen. Dirk Vogel hörte mit der 34sten Ausgabe bei Limited auf. Ich weiß noch genau, wie das war. Ich stand auf dem Parkplatz vor der Sparkasse in Köln Porz und mein Telefon klingelte. Vogel war dran und meinte, dass ich jetzt Limited wäre. Voll irre! Der wollte Vollzeit studieren und somit war er raus. Er hat dann auch ewig nicht mehr geschrieben, dann aber irgendwann wieder bei Kingpin oder so angefangen. Das Problem bei Limited war, dass Jörg keine Zeit hatte, Bilder zu schießen und der Grafiker für das Layout weg war. Da hatte Jörg zwar auch schon seine Finger drin, aber wir konnten das Ding deswegen ja nicht sterben lassen, nur weil einer fehlte. So musste ich Stück für Stück mehr übernehmen. Ich habe zu dieser Zeit ja auch noch studiert.

 

Was, du hast studiert? Ja, aber nur vier Semester lang Englisch: Mittlere, neue und angloamerikanische Geschichte. Mit den Scheinen war ich durch. Das Grundstudium hatte ich also. Allerdings kam mir dann 1999 bei einem Gruppenreferat die Blindtour mit James Craig, Ronnie Creager, Lavar McBride und Michael Burnett dazwischen und dann wurde es kompliziert. Ich war auf Tour, musste aber noch dieses Referat mit zwei Mädels aus dem Studium halten. Dann ballerte ich von Aurich um halb eins nachts zu meinen Eltern nach Köln, kam dort um halb vier an und ging pennen. Morgens um neun ging ich dann zur Uni, hielt das Referat und fuhr um zehn Uhr wieder los, um mich um halb eins wieder mit den Jungs in der Hotellobby zu treffen. Da kam dann die Überlegung, was ich weitermachen sollte: Studium oder das Mag. Meine Mutter stresste deswegen richtig rum, woraufhin ich Jörg anrief und ihn fragte, ob ich nach Wiesbaden kommen solle, um das Heft einfach komplett machen zu können. Ich meinte wirklich alles, inklusive Fotos und Text. Er wollte noch kurz mit Christian reden, aber er würde sich gleich noch einmal melden. Nach einer viertel Stunde rief er zurück und meinte: „Jo, du kannst eine Ausbildung bei uns machen!“. Alles klar! Ich ging runter zu meiner Mutter und erzählte ihr, dass ich jetzt nach Wiesbaden ziehen würde (lacht!).

 

Was war das dann für eine Ausbildung? Groß- und Außenhandelskaufmann. Dabei muss man sagen, dass ich in meiner Ausbildungszeit nicht eine Kiste gepackt habe (lacht!). Das Geile war, dass bei Urban erst um 10 Uhr angefangen wird und wenn ich in die Berufsschule musste, hab’ ich immer richtig gekotzt. Boa, Alter, um 07:00 Uhr aufstehen, damit man um acht in der Schule ist. Alle anderen in der Schule fanden das aber immer voll geil und entspannt, weil sie halt erst um acht Schule hatten und nicht schon um sieben auf der Matte stehen mussten. Die Ausbildung hab’ ich aber erfolgreich abgeschlossen!

Im Van wurde Bier getrunken und bei offener Tür Joints geraucht, aber niemanden hat das gejuckt, völlig easy.

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Foto – Fabian Reichenbach

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Foto – Fabian Reichenbach

Wer ist denn eigentlich dein absoluter Lieblingsfotograf? Wenn es dir schwer fällt, dich auf einen zu beschränken, kannst du auch gerne mehr nennen? Puh, da muss ich jetzt aber richtig überlegen. Oliver Barton ist definitiv einer meiner absoluten Lieblinge. Arto Saari macht in meinen Augen auch verdammt gute Bilder, wobei, um fair zu sein, da spielt auch viel persönliche Sympathie mit rein. Mike O’Meally und Jon Humphries finde ich auch schon immer mehr als gut. Die beiden sind schon richtig krass. Ach ja, und als viertes kann ich noch Atiba nennen. Der Typ ist einfach cool und mega korrekt. Er hat eine gute Tasche gemacht, wobei mir da jetzt fast exakt nach einem Jahr ein Schultergurt gerissen ist. Aber das ist hier ja jetzt egal (lacht!).

 

Was hat sich beim Touren für dich so verändert? Sagen wir mal zwischen 1999 und jetzt. Das kommt drauf an, wie du das vergleichen willst. Als ich jetzt letztens in Barca war, habe ich beim Philipp Vollmer gepennt und dachte mir: „Jo, das ist irgendwie genauso wie früher, als ich mit Tobi Hunger unterwegs war.“. Von daher hat sich in über 15 Jahren eigentlich nicht viel für mich verändert. Und was Touren mit US-Teams betrifft, die gibt es halt einfach nicht mehr so oft wie früher. Damals machten die eine Tour nach der anderen. Daher ist das irgendwie nicht mehr vergleichbar.

 

Was denkst du, woran das liegt, dass es nicht mehr so viele Amitouren gibt? Ganz klar, weil jeder alles jeden Tag auf Social Media sehen kann. Da musst du nicht mehr mit den Pros losziehen und den Leuten zeigen, wie sie fahren. Das beste Beispiel ist Curren Caples. Wenn du ihn damals das erste Mal mit auf Tour genommen hast, hast du da einen Zehnjährigen mitgenommen, der kopfhohe Kickflip-Indy-Grabs ohne Pads in der Halfpipe macht. Das musstest du damals den Leuten auch zeigen, weil dir das sonst niemand geglaubt hätte. Heutzutage kann so ein Keegan Palmer oder CJ Collins seinen Stuff einfach im Netz posten. Das gilt auch für Newcomer. Die können über Social Media viel leichter groß werden als sonst. Außerdem sehen dich viel mehr Leute, als je zu einer Demo kommen würden. Und vor allem geht das alles viel günstiger. Was so eine Tour für das Brand kosten muss. Wenn ich da an die Flip Touren denke, da muss ja massig Geld reingesteckt werden. Allein für das Essen und die Übernachtungen. Das geht heute alles viel billiger.

 

Wenn wir über David Gonzalez reden, reden wir auch über ein ganz anderes Skateboarding, ein viel konsequenteres und härteres. Da wird viel gemosht und immer hart ans Limit gegangen. Wie ist das heute deiner Meinung nach? Wenn ich Leute sehe, die ihr Polohemd in die Hose stopfen und dazu am besten noch einen relativ dünnen Gürtel tragen, der eine Armlänge am Bein herunterhängt, mit Hosen, die möglichst weit und hochgekrempelt sind, dann aber Kniestrümpfe anhaben, das ist der Style, den ich momentan richtig abfeiere (lacht!). So kann sich das verändern. Ich habe diese Hash-Zeit, in der die Hosen immer enger wurden und sich dann in einem gesunden Mittelmaß eingependelt haben, eigentlich ja wirklich als ganz stylisch empfunden. Aber wenn ich mir anschaue, wie sich die Leute heute trauen, rumzulaufen, finde ich das echt mehr als verrückt. Vielleicht haben sie auch einfach Eier in der Hose, also nicht nur auf dem Board, sondern auch so.

Es gibt hier so viele Leute, die abartig gut skaten und viele Insta-Follower haben, aber nie etwas Nachhaltiges von Relevanz machen.

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Nollie bs Tailslide / Foto – Tim Otto

Auch, wenn das jetzt nicht ganz die Frage war, zeigt es aber auch, dass du eben schon lange dabei bist und vieles mitbekommen hast. Was gefällt dir in der aktuellen Szene und was war früher besser? Also ich find es gut, dass weite Hosen wieder cool werden. Ich hab emeine Droors schon wieder aus dem Keller geholt (lacht!). Ich habe locker noch 15 Paar Droors, Alter. Aber was das Skaten selbst betrifft, bin ich eigentlich ein Anhänger von höher, schneller, weiter. Ich fand das schon immer geil, wenn ein neues Zero, Flip oder Transworld Video kam, in dem immer wieder krasser gefahren und gefilmt wurde. Ungefähr 2005 bis 2008 war eine Killer-Zeit im Skateboarding. Da wurde das Skaten jedes Mal immer noch ein bisschen geiler,  war aber trotzdem noch nachvollziehbar. Heutzutage ist das alles oft so weit weg. Früher war das nahbarer. Wenn du dir ein Zero Video von damals anschaust, ist das immer noch krass, was die da machen, aber es war irgendwie näher an der Community dran als heute. Aber es ist schwer, das wirklich in Worte zu fassen. Eigentlich ist doch alles cool, ich meine nur: Olympia! Hey, das ist schon alles cool so. Skateboarding ist und bleibt immer Skateboarding. Da ändert nichts dran, auch Olympia nicht. Diesen Olympiahass verstehe ich auch nicht. Am Geilsten wäre es doch, wenn wir uns zusammensetzen, eine Tüte Popcorn aufmachen und uns das reinziehen würden. Dabei würden wir uns darüber kaputtlachen und wären zum Schluss bestimmt eh überrascht, wie viele Japaner und Chinesen im Finale wären. Das wird ein Fun-Event, am Skaten selbst ändert das doch nichts. Da wird niemand einen Nachteil davon haben. Ein paar Leute werden mächtig viel Kohle machen und das war’s. Ich gönn’ es ihnen. Du wirst von den gleichen Hausmeistern an den gleichen Schulen gebustet werden, mit und ohne Olympia und öffentlicher Aufmerksamkeit.

 

Wie findest du es, dass in den letzten Jahren immer mehr Deutsche auch international an Aufmerksamkeit gewonnen haben, vor allem auch durch Instagram und so? Sind die Deutschen besser geworden? Auf gar keinen Fall. Die Frage ist lustig. Auf einer der letzten Touren hat ein Skater zu einem anderen einen Satz gesagt, der folgendermaßen lautete: „You blew it at some point!“ (zu Deutsch: Du hast es an einem Punkt übertrieben/versaut). Der passt natürlich überall hin und hat uns auch dann die ganze Tour über begleitet. Und so passt das oftmals leider auch auf deutsche Skater. Die verkacken es einfach an einem Punkt. Gott sei Dank gibt es ein paar Ausnahmen, wie Denny Pham zum Beispiel, aber es gibt auch den ein oder anderen, der sein Talent bestimmt verschenkt. Da braucht es nicht einmal Namen. Es gibt hier so viele Leute, die abartig gut skaten und viele Insta-Follower haben, aber nie etwas Nachhaltiges von Relevanz machen. Und deshalb kann man auch nicht behaupten, dass die Coverage der Deutschen jetzt besser geworden ist. In den 20 Jahren, in denen ich jetzt für Titus Recherche gemacht und alte Monster-Hefte gesehen habe, in denen Florian Böhm oder so waren, kann man schon sagen, dass die Deutschen in den USA nie wirklich schlecht dabei waren. Ganz anders drauf sind dagegen die Franzosen. Wenn du dir mal anschaust, was Aurelien Giraud an internationaler Coverage hat, da kann kein Deutscher mithalten. Viele verschenken meiner Meinung nach ihr Talent. Die werden am Schluss alle wie Mark Mitzka und fangen an, Badminton zu spielen.

Du hast ja schon einige Leute im Skaten kommen und gehen sehen. Bei wem war’s wirklich schade drum? Puh, schwer zu sagen. Aber bei Sami Harithi hat es mir schon weh getan. Der könnte heute Geoff Rowley sein, was er alle geleistet hat und an Deals hätte machen können. Das fand ich immer sehr schade. Sami hatte schon in zwei Powell Videos einen Part und im ersten Birdhouse sogar einen mega krassen Part und das als kleiner Steppke. Dann wurde er auf Flip genommen, war in den Staaten und merkte nach zwei Wochen, dass das doch nicht sein Leben ist und spielte lieber Basketball. Er kam zurück nach Deutschland, machte eine Ausbildung zum Bäcker und fuhr auch weiterhin für Flip. Er ist eben nur kein Pro geworden. Das muss man natürlich respektieren, schade war es irgendwie trotzdem. Sami wäre heute auf demselben Level wie Denny, Rowley und so. Wobei er das letzten Endes auch ist, nur eben nicht als Pro.

 

Siehst du dich eigentlich in der Position, Newcomer zu pushen und ins Rampenlicht zu bringen? Du hast uns ja schon von einigen Leuten Bilder geschickt, die eher unbekannt waren. Absolut, auf jeden Fall. Brian Lotti hat am Ende seines Planet Earth Now and Later Parts von 91 gesagt, er wäre nie so weit gekommen, wenn Leute in seiner jetzigen Position nicht an ihn geglaubt hätten. Und das hat mich irgendwie geprägt. Das Gleiche hatte ich auch selbst so von verschiedenen Leuten erfahren, daher muss ich das weitergeben. Ich meine, Jörg Ludewig hatte mir damals auch ein bisschen geholfen und genauso versuche ich das bei irgendwelchen Skatern oder Kids, von denen ich denke, dass Potential dahinter steckt. Ich baue bei einem Pro genauso drei Blitze auf, wie bei einem Kiddie. Das habe ich ja auch jetzt bei Titus gemerkt. Sie haben mich angeworben und meinten, dass sie noch keinen konkreten Job für mich hätten, aber schon was für mich finden würden. Ich hatte zwar erst nicht zugesagt, aber nach einem Jahr nahm ich das Angebot dann an. Da wurde mir mal wieder über den kurzen Dienstweg geholfen.

Ich habe diese Hesh-Zeit, in der die Hosen immer enger wurden und sich dann in einem gesunden Mittelmaß eingependelt haben, eigentlich ja wirklich als ganz stylisch empfunden.

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fs Nose Pop Over / Foto – Hendrik Kaczmarek

Was sind dann deine konkreten Aufgaben bei Titus? Mittlerweile ist das, wie schon eingangs erwähnt, so einiges. Ich befülle zuallererst mal den Online-Blog mit Beiträgen. Ich schreibe eigentlich alle Texte und mache die Bilder dazu. Daneben mache ich das Brettkollegen Magazin, bei dem ich quasi „Chef vom Dienst“ bin, also der, der Bilder zusammenträgt und Artikel zusammenbackt. Das ist aber mittlerweile so viel, dass ich das fast schon parallel machen muss. In der Titus GmbH sitze ich außerdem im Marketing. Da gehört für mich dann bei unseren Events, wie dem Battle oft the Shops, auch die Auswahl der Spots dazu, die wir auf unserer Battle of the Shops Titus Tour in Münster ansteuern. Und Spots, die eigentlich durch Skate-Stopper etc. nicht gehen, macht man dann möglich, indem man sich entweder Beton als Anfahrt gießt oder die Stopper mit einer Haube überdeckt. Bei Contests muss ich außerdem überlegen, welche Fahrer wir einladen. Neben der Arbeit bei Titus bin ich zudem auch der Team-Manager von Osiris und Circa mit je drei Fahrern, die unter meinen Fittichen sind. Schlafen geht da nur, wenn ich nicht auch noch was fürs Irregular machen muss, weil es dann echt eng wird (lacht!).

 

Sidetopic: Seit wann postest du eigentlich Insta-Storys? Das ist ganz frisch. Du bist sozusagen ab jetzt Instagram aktiv! Oder hast du überhaupt keinen Peil, wie das überhaupt geht? Eigentlich nicht. Ich weiß immer noch nicht, wie das funktioniert (lacht!). Also wenn ich eine Insta-Story poste, bin ich mit jemandem unterwegs, weil der mir dann zeigen kann, wie das überhaupt geht (lacht!). Reposten kann ich mittlerweile. Den Sinn check‘ ich aber immer noch nicht. Ich mach’ einfach!

 

Wie siehst du die Zukunft? Für Dich, fürs Skateboardfahren? Wann kommt dein Part? Wann kommen die kleinen Gentschys? Entweder gibt’s die schon, denn es ist nichts in Planung (lacht!). Fünf Jahre gehen aber schnell rum. Ich denke, ich werde immer noch dasselbe machen, wie jetzt. Zumindest hoffe ich das – Skateboardfotos halt. Also hoffentlich Fotografieren, Skateboard fahren und Auto fahren (lacht!).

 

In welche Richtung entwickelt sich Skateboardfahren? Ein bisschen Olympia hier, ein bisschen Slappys to Polegrinds da (lacht!). Da wird das schon in der goldenen Mitte irgendwo stehen bleiben.

In welche Richtung entwickelt sich Skateboardfahren? Ein bisschen Olympia hier, ein bisschen Slappys to Polegrinds da (lacht!). Da wird das schon in der goldenen Mitte irgendwo stehen bleiben.

 

Was macht Professionalität im Skateboarding für dich aus? Auf jeden Fall, wenn jemand nicht hundertmal an ein Rail oder Stufen anfährt und jedes Mal sagt: „Ich popp’ jetzt ab, ich popp’ jetzt ab!“. Am besten ist es, den Spot zu kennen, hinzugehen und eine genaue Vorstellung davon zu haben, was man machen will. Jost, zum Beispiel, ist zu diesem einen Rail hin, wusste genau, was er machen will und hat das Ding innerhalb von zehn Versuchen durchgezogen. Das ist aber wirklich selten, für mich aber hoch professionell. Was das Auftreten im Web angeht, ist es immer schwierig zu sagen. Die einen machen nur Scheiße im Netz, aber die Scheiße ist dann vielleicht so geil, dass ich mir die lieber ansehe, als die professionellen Clips von anderen. Wer ist da jetzt professioneller? Der seriöse Typ ist es bestimmt auf dem Konto. Was die Steigerung seines Marktwerts angeht, ist es mit Sicherheit der Typ, der nur Mist postet.

 

Wer sind für dich aktuell die krassesten Skater in Deutschland? Geht es um krass, im Sinne von „moschen“, ist es absolut hands down im Moment für mich Reece Knobloch. Alter, was der in letzter Zeit für Dinger gemacht hat: Wahnsinn! Außerdem ist momentan auf jeden Fall Justin mit dabei. Wenn er seinen neuen Part macht, wird der bestimmt richtig gut sein. Andi Welter – der Typ ist einfach immer noch der Shit! Der haut immer noch einen raus, wenn du dir eigentlich schon die Augen reibst und denkst: „Hat er nicht gemacht!“. Außerdem muss man auch immer wieder Willow nennen – ganz klar – und Danny Pham. Letzterer müsste eigentlich sogar bei den Top 5 auf die Eins. Denny, ich liebe dich!

 

Gentsch, danke für deine Zeit und den tollen Einblick in eine ganz andere Zeit des Skateboarding. Die letzten Worte gehören traditionell dir. Ganz wichtig! Im Subtext muss auf jeden Fall immer die Coolness mitschwingen. Danke euch für das Interview! Danke an: Jeden, den ich mal vor der Kamera hatte, ohne euch wäre ich nie so weit gekommen. Ganz besonderer Dank gilt meinen engen Wegbereitern und Gefährten und auch, wenn ich ganz sicher einige vergesse, fallen mir dazu spontan folgende Personen ein: Dirk Vogel, David Luther, Jörg Ludewig, Mike „The Shopper“, Tina Sprunkel, Ian Deacon, Arto Saari, Geoff Rowley, Ewan Bowman, Leo Leifert, Andy Newchurch, Tobias Hunger, Felix Lennich, Willow und Familie, Denny Pham, Helge Tscharn, Christian Koch, Ingo Naschold, Sebi Vellrath, Julius Dittmann, Titus, Björn Holmenaes, dem Sour Solution Team, der Skatemafia, dem Titus Skateboards Team, allen Filmern, mit denen ich je am Fuße eines Handrails gehockt habe, jedem, der mich mit Stuff unterstützt und ganz besonders meinen Eltern. Love ya all!

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