Roland Hirsch Interview

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Fotos / Hendrik Biemer
Interview / Fabian Reichenbach & Nico Uhler

Es ist auf jeden Fall immer abwechslungsreich, teilweise echt gnarly. Wenn Du keinenSchlafsack und kein Zelt mitbringst, kackst Du eh schon mal ab.

ROLAND HIRSCH
INTERVIEW.

Fotos / Hendrik Biemer
Interview / Fabian Reichenbach & Nico Uhler

Es ist auf jeden Fall immer abwechslungsreich, teilweise echt gnarly. Wenn Du keinenSchlafsack und kein Zelt mitbringst, kackst Du eh schon mal ab.

ROLAND HIRSCH
INTERVIEW.

Faby: Hallo, Roland Hirsch! Wie geht’s Dir? Ist Franziska Dein Künstlername? Haha, das ist der Zoom-Account von meiner Lady. Ich bin ein bisschen groggy vom Skaten, habe gerade gegessen und viel gearbeitet in den letzten Tagen. Im Oktober hatte ich so viel Urlaub und war zweimal weg. Jetzt muss ich gerade wieder bisschen ranknüppeln.

Faby: Du warst mit ein paar Freunden an der Nordsee, oder? Ja, wir waren an der Westseite von Dänemark, zwischen Hive Sande und Lemvig. Da war‘s ganz chillig: Einfach nur Spazierengehen und Essen. Wir hatten uns zu viert ein Häuschen gemietet. Voll geil! Da gibt’s auch in jedem Dorf einen krassen Skatepark. Das ist echt abgefahren. 1000 Einwohner und drei Scooter Kids im Dorf, aber dafür gibt es einen Park mit Halfpipe, Pool und Streetfläche. Übelst krass! Naja und davor war ich mit Antiz für neun Tage auf Zypern.

Faby: Oh nice! Wie war der Trip? Richtig gut mit der geilen Bande! Es war schön, alle mal wieder zu sehen. War super lustig!

Faby: Kannst Du uns erzählen, wie Du überhaupt auf Antiz gekommen bist? Und wie kam es zum Pro-Board? Ich meine, du bist ja ganz offiziell Profi… Haha, yo! Pro shit! Zu Antiz bin ich über Julian Dykmans gekommen, der mich  damals ins Team geholt hat. [Verbindungsprobleme] Wartet bitte! Ich gehe mal dichter an den Router ran.

Faby: Ja, mach mal. Julian und ich sahen uns damals häufiger in der Skatehalle und hatten einfach gute Sessions zusammen. Irgendwann bekam er dann wohl den Auftrag, sich nach neuen Teamridern umzusehen und hat mich gefragt, ob ich mit auf Tour kommen will. Ich glaube, wir waren in Spanien, wenn ich mich recht entsinne. Da habe ich alle kennengelernt und wir haben zusammen Party gemacht und hatten eine gute Zeit. Dann hat sich das so ergeben. Genauso habe ich auch vor Kurzem André (Gerlich) mit ins Boot geholt. Er war jetzt auch schon auf zwei Touren mit dabei und alle sind happy. Bei Antiz wird man aber auf jeden Fall ein bisschen getestet: Crashtest/Tourtest. 

Nico: Die Antiz Touren sind ja auch ein ganz schöner Härtetest, oder? Ihr seid nicht unbedingt in schicken Hotels und an smoothen Marmorplazas unterwegs? Es ist auf jeden Fall immer abwechslungsreich, teilweise echt gnarly. Wenn Du keinen Schlafsack und kein Zelt mitbringst, kackst Du eh schon mal ab. Im besten Fall triffst Du Dich mit den Jungs in einem Land, wo sie mit dem Auto hinkommen. Dann haben sie nämlich immer Zelte, Schlafsäcke und Isomatten im Van. Wenn Du am Ende aber echt nichts hast, dann musst Du Dir halt selber Dein Zelt bauen. Es kam auch schon vor, dass wir nachts noch Pappkartons gesammelt haben.

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Wallie to 50/50

Faby: Hey, da hatte ich eh was bei Antiz in den Stories gesehen. Thanos musste das doch letztens machen, oder? Ja, man. Er hat so richtig army-mäßig sein eigenes Zelt gebaut und war richtig stolz darauf. In Zypern konnte man aber eigentlich easy draußen schlafen. Da brauchte man kein Dach. Also war das mehr so was wie ein Schattenspender. Aber Du kackst halt trotzdem ab, weil es dort fiese Sandmücken gibt. Die sind ganz klein und die Stiche tun viel mehr weh. Ich bin mit 20 – 30 Stichen zurückgekommen.

Faby: Fuck! Hast Du sonst noch ein paar Stories über Antiz Trips, die Du erzählen kannst? Also krass fand ich, als wir mal in Brüssel unterwegs waren. Es war schon echt spät und wir hatten noch keine Schlafoption geklärt. Wir sind dann alle über eine ziemlich hohe Mauer geklettert, mit Hilfe eines Baums, der neben der Mauer wuchs. Anschließend landeten wir in einem Brennesselfeld, durch das wir uns durchgekämpft haben und kamen in einem übelst geilen Park, wo wir dann unsere Zelte aufgebaut, die letzten Joints geraucht und geschlafen haben. Morgens wurden wir von ein paar Leuten geweckt, die meinten: „Was macht Ihr denn hier? Ihr solltet lieber gehen, weil die Securities schon unterwegs sind.“ Da haben wir gecheckt, dass wir in den Garten von einer Botschaft reingeklettert waren. Wir sind dann mit unserem ganzen Scheiß schnell zurückgeklettert und haben festgestellt, dass der Rest der Mauer mit NATO Draht verstärkt war und überall Kameras hingen, nur eben nicht an der Stelle, an der wir rübergeklettert waren. Das war lustig, aber es ist auch nicht immer so. In Zypern hatten wir zum Beispiel an den ersten zwei Tagen zwei Häuser mit mehreren Etagen, Hof und krasser Aussicht. Das war ziemlich luxuriös. Dann waren wir campen. Ich hatte mir irgendwo von einem Strand einen Liegestuhl geklaut und mit ins Camp geschleppt, damit ich geiler penne. Die letzten zwei Tage schliefen wir dann bei einem Kumpel, der in der Einflugschneise des Larnaca Airports eine Art Sommerhaus hat. Aber das war eigentlich kein Haus, sondern ein Container. Morgens wurden wir von den Flugzeugen geweckt, die nur ein paar Meter über uns geflogen sind. Der Garten des Hauses endet nämlich im Prinzip da, wo der Flughafen anfängt. Das war geiles Aufwachen!

Ich fand das so nervig, dass alle immer nur an ihren Handys rumhängen und jeden Scheiß filmen wollen. […] Und jetzt bin ich selber drauf hängen geblieben.

Faby: Also weiß man eigentlich nie so ganz, worauf man sich einlässt, oder? Die Touren sind auf jeden Fall immer für eine Überraschung gut und manchmal ist es gar nicht so leicht einen guten Campingspot zu finden. Einmal sind wir mit einem Van quer durch Griechenland getourt und an einem Abend war es mal wieder ziemlich spät und wir alle ziemlich betrunken. Wir haben dann einen Unicampus gefunden, wo gleich ein Security auf uns zukam, den wir vollgelabert und nett gefragt haben, ob wir auf dem Campus pennen könnten. Er meinte, er hätte da was für uns und hat uns in ein altes Fahrradvelodrom geführt, wo wir voll im Dunkeln irgendwelche Kellertreppen runtergelaufen sind und dann einfach dort gepennt haben. Als wir morgens aufgewacht sind, haben wir gecheckt, dass man das Velodrom voll skaten kann. Da war alles schon total kaputt, aber durch Regen und Luftfeuchtigkeit hatten sich die ganzen Schrägen der Rennbahn so verbogen, dass überall Wellen im Holz waren. Das war episch! Ich weiß nicht, ob Ihr Euch an die Fotos erinnern könnt, die Fabien (Ponsero) geschossen hat.  Da sind wirklich ein paar krasse Bilder bei entstanden.

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Gap 50/50

Faby: Jaaaaa…da gab’s doch auch ein Foto von einem Backside Tailslide?! Warst das nicht eh du? Ja, das gab’s! Aber das war nicht ich, sondern Gabriel (Engelke). Ich bin schon am ersten Tag der Tour so doll auf mein Knie geslamt, weil ich mit Gipsarm gekommen war. Damit kann man nicht so gut hinfallen.

Nico: Du hattest ja vorher schon André erwähnt. Wie hat er sich denn bisher auf den Antiz Trips geschlagen? Bei seiner ersten Tour war ich tatsächlich nicht dabei. Das war auch bisschen doof, weil ich ihn ja ins Boot geholt hatte. Aber bei seiner zweiten Tour war ich mit dabei und habe gemerkt, dass er die anderen schon total gut kennengelernt hat, sich wohl fühlt und die Leute auch von André und seinem Skaten geflasht sind. Er ist ja ein krasser Wizard und kann einfach alles.

Nico: André und Antiz passen ja auch wie die Faust aufs Auge. Ja, voll. Wir gucken ja auch immer gerne nach anderen Spots. Hauptsache, kein Plazaskaten und das passt total zu André. Er versteht sich super mit der Crew und liefert einfach ab.

Nico: Wie kam denn die Connection zu André zustande? War das über Emerica, für die Du auch mal gefahren bist? Wir kannten uns auf jeden Fall vorher schon ein bisschen, denn wir hatten uns das ein oder andere Mal am 2er in Hannover getroffen und so, aber Emerica hat da sicher eine Rolle gespielt. André pennt auch ab und an bei mir, wenn er mal nach Berlin kommt. [Hirschis Katzen tauchen am Bildschirm auf]

Wir waren voll besoffen und haben die Sanitäter so lange zugelabert, bis sie wirklich versucht haben, meine Schulter einzurenken.

Faby: Sind die von Dir oder von Deiner Freundin? Sie gehören meiner Freundin. Ich war eigentlich immer ein Hundetyp. Die meisten meiner Kumpels hatten früher Doggies und ich war meistens der Typ, der mit ihnen Gassi gegangen ist. Ich hatte auch immer Bock drauf, morgens mit den Doggies Spaziergänge zu machen, weißte?! Wir hatten früher viele Hunde im Freundeskreis; immer solche Riesenviecher. Aber Mietzies sind auch cool, muss ich sagen. Vor allem die beiden hier. Sie dürfen jeden Tag raus und kommen regelmäßig wieder.  

Nico: Kommst Du denn auch regelmäßig wieder oder woher kommt Dein Insta Handle (@hirschicomes)? Stammt das aus Bowie‘s „Song for Bob Dylan“?

Faby: Oder aus The Velvet Underground & Nico’s „Femme Fatal“? Ne, das kommt aus einem anderen Song. Daryl Hall & John Oates „Maneater“. Oh oh here she comes…das hat damals angefangen, als ich mit Rocco (Patrick Rogalski) in Italien auf einer Iriedaily Tour war. Da hat der mir einfach einen Instagram Acount gemacht, gegen den ich mich total lange dagegen gewehrt habe. Ich fand das so nervig, dass alle immer nur an ihren Handys rumhängen und jeden Scheiß filmen wollen.  Aber Rocco hat einfach einen Account für mich erstellt und irgendeinen Scheiß hochgeladen. Ich habe den Account dann irgendwann übernommen, weil ich nicht mehr wollte, dass er die ganze Zeit irgendeinen Kack damit macht, haha. Und jetzt bin ich selber drauf hängengeblieben. Die ersten zwei Videos auf meinem Account sind aber tatsächlich noch von Rocco. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass manche Leute richtig Probleme mit Instagram bekommen. Manchmal erwische ich mich selbst dabei, wie ich so am Stück ein Video nach dem anderen anschaue und so richtig in Trance gerate. Krasse Zeitverschwendung, wenn man da so richtig absuchtet. Auf der anderen Seite ist es schon ganz geil, um sich gezielt Sachen anzugucken. Aber wie intensiv man sich das dann wirklich anguckt, ist nochmal eine andere Frage. Das ist halt alles auch so vergänglich, so schnell. Sich ein Print Magazin anzuschauen, ist auf jeden Fall was anderes.

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Japan Air

Faby: Auf jeden! Weil gerade schon ein paar Songs aufgetaucht sind, was hörst Du denn so für Musik? Man sieht Dich ja oft in Band T-Shirts...  Ich höre eigentlich jede Musikrichtung, so lange sie gut ist, aber vor allem experimentelle oder ruhige Sachen, elektronische Musik oder Old School/alten Hip Hop. Die ganzen Band Shirts trage ich, weil ich das schon immer geil fand und ich auch nicht so auf große Skatelogos auf meinen Klamotten stehe. Ich habe mir auf Konzerten immer Shirts gekauft oder sie von Freunden bekommen, die in Bands spielen. Auf so Grindcore Konzerten kostet ein Shirt auch nur einen Zehner oder mal 15 Euro.

Faby: Und um noch was anderes aufzugreifen, was Du ganz am Anfang angesprochen hattest: Was arbeitest Du denn eigentlich neben Deinem Pro life?  Haha, Pro life mit 37. Ich bin gelernter Heilerziehungspfleger und arbeite 20h/Woche als Betreuer in einer WG für Menschen mit schwerer Merhfachbehinderung. 

Faby: Schaffst Du es denn gut, Dein Berufsleben vom Rest Deines Lebens zu trennen? Ja, schon. Klar macht man sich manchmal Gedanken über den ein oder anderen Fall oder wenn irgendwas los war. Aber eigentlich kann ich das gut voneinander trennen und Skaten hilft sowieso, den Kopf frei zu bekommen. Ich denke, dass man ganz allgemein einfach eine gesunde Einstellung zu so einem Job braucht. Man muss ja auch positiv zur Arbeit kommen können.
Das brauchen die Leute dort, denn nur so kann man ihnen helfen und sie ganz normal behandeln. Ich spiele auf der Arbeit auch immer viel Mucke, nehme manchmal eine Boombox mit und sorge für Stimmung.

Faby: Machst Du auch selbst Mucke? Ja. Ich spiele Gitarre, Bass und Schlagzeug. Früher war ich mal ein bisschen besser, aber heutzutage spiele ich keins der Instrumente mehr so richtig geil. Ich nehme mir einfach nicht mehr genug Zeit, um Mucke zu zocken. Früher habe ich noch mehr mit Freunden zusammen Mucke gemacht. Wir hatten immer einen Kumpel, der alles daheim hatte: E-Gitarre, Bass-Gitarre, Verstärker, ein kleines Schlagzeug, Keyboards, … Da haben wir immer viel gezockt. 

„Was macht Ihr denn hier? Ihr solltet lieber gehen, weil die Securities schon unterwegs sind.“ Da haben wir gecheckt, dass wir in den Garten von einer Botschaft reingeklettert waren.

Faby: Hattest Du denn auch mal eine eigene Band? Die ganzen Homies, von denen ich gerade erzählt habe, haben alle Bandprojekte am Laufen. Ich selbst war aber nie in einer richtigen Band. Wir traten nur manchmal auf Geburtstagen und Familienfeiern auf. Wir haben nur dafür geprobt und teilweise sogar mit Kostümen und trashigen Outfits auf Geburtstagen von Muttis von Freunden gespielt. Richtig lustig! Wir haben selbst Songs geschrieben und viel gejamt, aber wir haben auch Songs gecovert, allerdings so verzerrt und mit neuen Elementen, dass man sie eigentlich gar nicht mehr erkannt hat. Die Band hatte so einen absurd bescheuerten Namen: Hartmut (alle lachen).

Faby: Hast du eigentlich einen Lieblingsspot in Berlin? Den Greifswalder DIY, zumindest was Vibe, Fun Faktor und die gute Zeit angeht.

Nico: Baust Du da auch regelmäßig mit? Ehrlich gesagt, nicht so viel, wie ich gerne möchte, aber ich versuche, mich anderweitig zu beteiligen. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die einen Club in Berlin, so einen Punkerladen, hat. Ich hatte sie darum gebeten, dort eine Spendenbox für den DIY aufstellen zu dürfen. Ein paar Monate später kam sie an und drückte mir 500€ in die Hand, die sie einfach so mit einem Schild neben der Kasse eingesammelt hatte. Die Kohle habe ich natürlich an den DIY weitergegeben, damit sie Beton kaufen konnten. Über solche Sachen kann man sich halt auch mit einbringen, auch wenn man job-, alters- oder verletzungsbedingt vielleicht nicht drei, vier Stunden am Tag zum Kelleschwingen vorbeikommen kann. 

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bs Smith

Nico: Und wie sieht es mit Streetspots bei Dir aus? Was macht denn für Dich einen Spot aus, auf den du Bock hast? Kannst du das irgendwie beschreiben? Früher hatte es total viel mit Fliegen zu tun. Ich fliege auch immer noch total gerne: Irgendwelche Transfersachen oder an die Wand ballern to Wallride oder so was. Aber das wird mit der Zeit natürlich etwas weniger, weil man ja nicht ewig den ganzen Impact abfangen kann. Heutzutage würde ich also vor allem sagen, dass der Spot interessant oder irgendwie anders sein muss. Am besten irgendwas, worauf keiner Bock hat oder was keiner sieht. Das ist schwer zu erklären und in Berlin ist es auch schwer etwas zu finden, was noch nicht geskatet wurde. Am geilsten ist es eh, wenn ich auf meinen unzähligen Fahrradtrips durch Berlin irgendwas findet, der Hype da ist und ich es direkt skaten kann. Da wird man kreativ.

Nico: Und man macht Polejam Pressure Flips Out?! Darüber müssen wir an dieser Stelle kurz sprechen, denn für mich persönlich war das ein absoluter Standout Clip aus „Going Nowhere“. War das ein Zufallsmove oder geplant? Haha, ich habe den Shove It Out ziemlich schnell geschafft, aber bei manchen Versuchen hat er schon so ein bisschen komisch geflippt. Deswegen dachte ich mir, dass ich den Pressure Flip ernsthaft probieren sollte. Ich bin den Polejam dann in der Fußstellung für Pressure Flip hochgeballert und irgendwann kam er dann auch einfach so. Ich war mega geflasht!

Faby: Nicht nur du! Kannst Du Pressure Flips auch im Flat? Ja, schon. Ich kann schon ein paar Flattricks, aber ich filme sie halt nie. Das nervt! Ich habe über all die Jahre schon ein paar Tech Lines gefilmt, aber meistens klappen sie nicht und ich hab auch nicht die Geduld dafür. Ich surfe schon eher und fahre deswegen auch große Boards: Hauptsache 8,5 und 32 lang, der Rest ist mir egal. Aber wenn ich aus Versehen mal ein kürzeres Board draufbaue, gehen die Flips auf einmal viel besser. Letztens konnte ich zum Beispiel mal voll gute Nollie Flips, haha.

Die anderen harten Verletzungen waren aber echt von Partys, zum Beispiel ein Kreuzbandriss vom Stagediven. Ich bin abgesprungen und mit durchgestrecktem Knie am Boden gelandet.

Faby: Wie sieht‘s mit Deinen Pro Boards aus? Haben die genau Deine Maße? Meine Pro Boards sind alle noch 8,4, obwohl ich schon lange 8,5 fahre. Soviel dazu, haha. Darum fahre ich sie aber meistens nicht, sondern hebe sie mir stattdessen auf. Ich hänge sie mir allerdings nicht auf, sondern staple sie einfach irgendwo. Es ist schon schön,  ab und zu mal wieder durch den Stapel durchzuschauen. Aber manche Bretter sind halt so geil, dass ich sie unbedingt fahren will. Danach ärgere ich mich immer, dass ich sie nicht mehr habe. 

Nico: Arbeitest Du momentan an einem Projekt? Filmst Du für irgendwas? Wir haben ja neben André auch noch ein paar andere neue Fahrer auf Antiz. Da wird‘s demnächst schon was geben. Wir filmen auf den Touren und sammeln auch alle zuhause fleißig Sachen. French Fred ist ja ziemlich gut connected zu Antiz und arbeitet seit Kurzem bei uns im Videodepartment. 

Nico: Sick! Machst Du neben dem Skaten eigentlich noch irgendwas, um Dich fit zu halten oder ist Skaten Dein Workout?  Also das Einzige was ich nebenbei mache, ist ziemlich viel Fahrradfahren. Ich fahr‘ eigentlich alles in Berlin mit dem Fahrrad. Heute bin ich locker schon 20 – 30 Kilometer mit dem Fahrrad zum Skaten gefahren. Ab und zu gehe ich Schwimmen, aber nicht in die Muckibude oder so. Dehnen sollte ich mich vielleicht ab und zu, weil das wirklich was bringen würde. Aber irgendwie funktioniert es auch so nach wie vor ganz gut und ich fühle mich fit. Vielleicht macht auch die Regelmäßigkeit den Unterschied. Ich nehme  mir viel Zeit zum Skaten. 

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fs Boardslide

Nico: Wie oft kommst Du denn in der Woche zum Skaten? Was ist so Dein Rhythmus? Also in letzter Zeit echt viel. So vier-, fünfmal die Woche. Ich habe auch krass Bock und immer noch Lust drauf. Ich hatte mit 30 einen ziemlichen Boost, was Skaten betrifft. Seit ich 30 bin, skate ich viel mehr als vorher und durch die viele Bewegung ist mein Körper auch geschmiert. 

Nico: Das ist schön zu hören. Du hast nach all den Jahren hartem Skaten also auch keine verletzungsbedingten Einschränkungen, die irgendwie geblieben sind? Also beim Skaten bin ich eigentlich immer von Verletzungen verschont geblieben und hatte nur mal das Handgelenk angebrochen oder halt diese klassischen Umknicker und so. Meine richtigen Verletzungen hatte ich eigentlich nur von Partys. Obwohl…ich hatte mir vor Kurzem tatsächlich beim Skaten in so einem kleinen, schlecht gebauten Park voller Scooterkids das Schlüsselbein gebrochen. Vollkrise! Verpusht und mit der Schulter in die Transition geknallt. Die anderen harten Verletzungen waren aber echt von Partys, zum Beispiel ein Kreuzbandriss vom Stagediven. Ich bin abgesprungen und mit durchgestrecktem Knie am Boden gelandet. Das hat ziemlich weh getan, aber ich bin trotzdem auf der Party geblieben, habe weitergetrunken und bin irgendwann nach Hause gehumpelt. Mit meinem gerissenen Kreuzband bin dann noch zwei, drei Wochen geskatet. Ich wusste es eben nicht. Allerdings hatte ich in dem Zeitraum so drei Schmerzmomente, in denen ich wirklich am Boden lag und mir das Knie gehalten habe. Nach dem dritten Mal bin ich dann zum Arzt gegangen und er meinte nur so: „Dein Kreuzband ist durch.“ Die andere Partyverletzung war ein Muskelriss an der Schulter. An Weihnachten bin ich immer in meiner Heimatstadt, Neubrandenburg, die 2 Stunden nördlich von Berlin gelegen ist. Da ist am 24. Dezember immer eine Party in einem richtig guten Punkerladen namens Ajz, den es schon ewig gibt und wo auch schon die krassesten Bands gespielt haben. Da geht man an Weihnachten jedenfalls hin, um Bier zu saufen und auf 80er zu tanzen. Als meine Lady und ich dann auf dem Weg nach Hause waren, bin ich mit dem Fahrrad auf nassem Laub ausgerutscht und auf die Schulter geslamt. Das sah echt scheiße aus und wir haben den Krankenwagen gerufen. Letztendlich war ich aber der Meinung, dass ich mir meine Schulter nur ausgekugelt hätte. Wir waren voll besoffen und haben die Sanitäter so lange zugelabert, bis sie wirklich versucht haben, meine Schulter einzurenken. Das hat aber nicht geklappt und im Krankenhaus haben sie dann herausgefunden, dass die Bänder an der Schulter gerissen waren. Wir sind dann im Krankenhaus rumgehangen, waren total besoffen und haben Kippen auf dem Gang geraucht. Total mies! So voll assimäßig noch im Partymodus, haha. Naja, so viel zu den Partyverletzungen.

Nico: Wie alt warst du denn bei deinem Kreuzbandriss? Merkst du heute noch was davon? Das war vor fünf Jahren. Ich habe mich aber ein bisschen selbst therapiert. Ich hatte so eine steife Schiene, mit der ich einbeinig Fahrrad gefahren bin. Meine Homies haben mich mit ihren Rädern auch immer mitgezogen, damit ich mal aus dem Kiez rauskomme. Ich sollte eigentlich immer auf Krücken zur Physio kommen, bin aber lieber mit der mittlerweile beweglichen Schiene die 12 Kilometer zur Physio mit dem Fahrrad gefahren. Dort haben die sich dann immer gewundert, wie krass agil ich schon bin, wie gut das Knie aussieht und warum ich schon wieder so viele Muskeln habe, haha. Ich hatte aber auch Glück, weil ich einen echt guten Arzt aus dem Sporthopaedicum hatte, der sich normalerweise um Fußballspieler kümmert und wusste, dass ich Skater bin. Das war eine Empfehlung von Michi Mackrodt. Der Arzt meinte jedenfalls, dass ich keine Operation bräuchte, er mir allerdings eine empfehlen würde, wenn ich denn wieder skaten wollen würde. Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, hat er so gesagt: „Ich hab‘ Dir ein extra dickes Band reingemacht.“ Geiler Typ! Das war genau das, was ich hören wollte. Seitdem hatte ich auch nie wieder Probleme am Knie. Ich habe auch viele gute Beispiele um mich rum: Jan Kliewer, Julian Dykmans und Sami Harithi, den alten Flummi. Die gehen auch alle noch unheimlich ab. 

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Faby: Sind das auch die Jungs, mit denen Du meistens skaten gehst? Mit denen bin auf jeden Fall unterwegs, aber vor allem auch mit Rocco – Project P, haha – und Kai (Hillebrand). Heute war ich zum Beispiel mit den beiden in einem Skatepark, der ziemlich weit weg ist und am Rückweg sind wir noch streeten gegangen. Ansonsten bin ich auch viel mit Leon Charo-Tite, Sérgio Ben Mario, Leon Moss, Julian Ruhe, Kalle Wiehn, der Barrio Crew oder ein paar älteren Hasen unterwegs. Die sind alle motiviert und rippen. 

Faby: Wie lange bist Du eigentlich schon in Berlin und wer sind dort die Leute, die man momentan auf dem Schirm haben sollte? Also ich wohne seit 2007 fest in Berlin. Auf dem Schirm sollte man zurzeit auf jeden Fall Leon haben, der mächtig am Rasieren ist. Ich bin auch ein ganz großer Fan von Julian oder Omar Zoref. Das sind so Young Guns, aber es gibt auch voll viele noch unbekannte Leute hier, die erst nach Berlin gezogen sind und richtig abgehen. 

Faby: Alright. Nach den Shoutouts an all die Homies wird es so langsam Zeit, sich für das Interview zu bedanken und das ganze hier zu Ende zu bringen.  Ich hoffe, es war nicht allzu langweilig, haha. 

Nico: Auf keinen Fall! Gibt’s denn noch irgendwen, bei dem Du Dich bedanken möchtest? Ich bedanke mich auf jeden Fall bei all meinen Freunden für die gute Zeit, bei meiner Familie und natürlich auch bei meinen Sponsoren: Vans, Iriedaily, Antiz & dem Barrio Skateshop für den Support!

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