Markus Blessing – Interview

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MARKUS BLESSING

INTERVIEW

MARKUS BLESSING

INTERVIEW

Gentsch: Markus, du bist jetzt seit zwei Wochen Profi-Skater. Was hat sich seitdem in deinem Leben verändert? Markus: Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich seitdem nicht einmal Skaten war…haha! Nein, aber ich habe schon etwa eine Woche gebraucht, das alles zu realisieren. So langsam wird mir das erst richtig bewusst, nachdem der erste Hype vorbei ist. Trotzdem muss ich immer schmunzeln, wenn ich das Board sehe und denke mir: „Verrückt!“. Es ist echt der Wahnsinn, wenn ich mir anschaue, wie viel Feedback da kam, wie viele Gratulationen und so weiter.Ludi: Hast du dir das Board denn wenigstens schon draufgeschraubt? Markus: Ich musste schon eins bei meinen Eltern an der Wand installieren. Gentsch: Du hast dir KEINS draufgeschraubt?! Markus: Nääää, peinlich, ich weiß. Aber ich habe mein aktuelles Board seit eurem Besuch nicht mehr berührt. Ich hatte einfach keine Zeit zum Skaten UND das Wetter war auch kacke. Ludi: Also ich hätte es mir noch nachts draufgeschraubt und wäre am nächsten Tag – komme, was wolle – los und hätte mir nur gedacht: „Geil, mein eigenes Board skaten!“ Markus: Kannst du dich noch an den nächsten Tag erinnern? Es hat in Strömen gepisst und wir hatten den Kater des Grauens. Gentsch: OK, ist genehmigt. Wie schaut denn eigentlich dein „normaler Skate-Alltag“ aus, wenn du keinen Kater hast und die Sonne scheint? Man hört ja hier und da schon, dass du eigentlich gar kein Skateboard fährst…hahaha! Markus: Haha, das stimmt natürlich! Aktuell ist es echt radikal und ich will da auch gar nichts schönreden. Es kommt immer darauf an, wie gerade das Studium anzieht oder eben nicht. Es gibt auch Zeiten, da gehe ich nahezu jeden Tag skaten und dann so Zeiten wie jetzt, da gehe ich maximal einmal die Woche. Das ist natürlich viel zu wenig, aber ich habe in drei Wochen Abgabe meiner Masterarbeit. Außerdem hocke ich gerade jeden Tag 12 Stunden in der Arbeit und wenn ich rauskomme, ist es dunkel und neblig und einfach beschissen. Dann gibt es noch maximal ein Feierabendbier und das war es dann für den Tag. Die nächsten zwei, drei Wochen wird es auch nicht besser werden mit meinem „Skatekonsum“.

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FS 360 SHOVE IT / DENNIS SCHOLZ

Ludi: Aber euer Park ist doch beleuchtet, oder? Da könnte man doch trotzdem mal… Markus: Ja, theoretisch geht das auch, die Homies gehen auch jeden Tag in den Park raus, aber wie gesagt: Ich gehe morgens um kurz nach 6 aus dem Haus und komme um halb 8 wieder heim. Gentsch: Was?! Um halb 6??? Markus: Ja, ich arbeite momentan in einem  Forschungslabor und da muss ich ziemlich viel aufs Blatt bringen, um rechtzeitig fertig zu werden. Ich habe mir aber ein Wochenende freigeschaufelt, um mit D-Wag nochmal eine kleine Mission in Stuttgart zu erledigen. Dann schraube ich mir mein Board auch mal dran, versprochen…hahaha! Gentsch: Wärst du bei unserer Mission in Köln weitergefahren, hättest du es schon längst draufgeschraubt, weil wir es dir dann bei der Weiterfahrt überreicht hätten…hahaha! Markus: Ja, aber ich bin fast froh, dass das nicht so war. Die Übergabe hier im Kino hätte echt nicht besser sein können. Ich war sooo fucking gestoked, dass es in Ulm passiert ist, ihr alle extra angereist seid, meine Freundin und mein Homie so mitgespielt haben und das Fest sogar bei mir daheim war. Ludi: Ja, der Fussball-Bless. In die Richtung hatten wir auch überlegt, irgendwas mit Gladbach und Stadion zu organisieren, aber das hat dann leider nicht funktioniert. Markus: Ganz ehrlich, ihr hättet alles machen können, aber es hätte niemals besser werden können, als es dann war. Gentsch: Das ist geil zu hören, weil sich da echt viele Leute Gedanken gemacht haben und das Ganze ja auch schnell umsetzbar sein musste. Die Kino-Idee hat sich dann herauskristallisiert, auch wenn wir am Anfang selber nicht gedacht hätten, dass sich das derart easy realisieren lässt. Also, dass das Kino dafür offen ist und was es kostet und so weiter… Ludi: Ja, das war echt entspannt, das Kino hat gerade mal 150 Euro gekostet. Markus: What, nur 150 Euro für den kompletten Kinosaal? Aber gut, vor uns waren, glaube ich, sieben Leute drin. Da hat das Kino auch nicht mehr Kohle gemacht. Deshalb kam es mir auch nicht komisch vor, weil wir nur zu viert im Saal waren. Aber ohne Corona wäre es sicher  etwas teurer gewesen. Trotzdem, ich komme  immer noch nicht drauf klar, dass das so geklappt hat. Ich habe wirklich so GAR nichts gecheckt, ich wusste nicht mal, was los ist, als dann „mein“  Video kam, bis zu dem Moment eben, als die Boards über die Leinwand geflogen sind und mir Yannick das Popcorn ins Gesicht geschmissen hat. Da bin ich erst „erwacht“…hahaha! UNFASSBAR! Wie lange habt ihr eigentlich in dem Kämmerchen gewartet? Gentsch: Etwa eine dreiviertel Stunde und die ganze Zeit darüber diskutiert, wie es sein kann, dass das Ulmer Münster höher als der Kölner Dom ist, man hört da ja immer mal wieder so Sachen. Markus: Also, das Ulmer Münster hat mit 161,4 Metern den höchsten Kirchturm der Erde. Für die, die es noch nicht wissen. Der Kölner Dom ist mit seinen 157 Metern also gut 4 Meter niedriger. Da aber die Grundfläche des Kölner Doms ungefähr viermal so groß ist, wirkt er einfach größer. Ludi: Irgendwas stimmt da nicht, das kann  einfach nicht wahr sein…hahaha! Gentsch: Ist mir auch ein Rätsel. Markus, lass uns mal die Zeit ein wenig zurückspulen. Wie bist du überhaupt zum Skaten gekommen? Seit wann skatest du? Markus: Angefangen habe ich mit 10 oder 11 Jahren, da war ich noch richtig klein. Jetzt bin ich 27, also skate ich seit 16 Jahren. Mit 15 hatte ich mal ein Jahr Pause, weil ich dachte, ich müsste  Basketball spielen, aber das verschweigen wir besser…haha! Gentsch: Wo kommst du ursprünglich her? Markus: Aus Bellenberg, das ist so ein kleines Örtchen in der Nähe von Ulm, auf der bayrischen Seite. Also, ich bin Bayer! Gentsch: Hört man! Markus: Echt…haha! Es machen sich schon viele Skate-Homies über meinen Dialekt lustig. Aber eher wegen meinem Schwäbisch. Find ich aber auch lustig, wenn Jost oder Denny versuchen, mich nachzumachen. Gentsch: Und wie bist du zum ersten Mal in Kontakt mit einem Skateboard gekommen? Markus: Also in jungen Jahren war ich Vollblut-Fußballer. Ich bin mit vier Jahren in den Verein gekommen und jeden Tag auf dem Sportplatz gestanden. Bis zu dem Moment, als mein allerbester Kumpel, der auch Fußballer war, plötzlich ein Skateboard hatte. Und wie es dann so läuft, wenn dein Kumpel was hat, probierst du es halt auch mal aus. Ich habe ein bisschen mit seinem Board rumprobiert und die Basics funktionierten relativ schnell. Dann bekam ich bald mein eigenes Board und konnte bereits einen Ollie und dann auch relativ schnell einen Heelflip. Für den Kickflip musste ich mir hingegen ein paar Jahre Zeit lassen, den habe ich nie verstanden…haha!

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SW CROOKS / DANIEL WAGNER

Gentsch: Krass, ich war auch so ein Heelflip-Kind… Markus: Ich war das üüübelste Heelflip-Kind, auf jeden! Ludi: Das war ich zum Glück nie…haha! Aber in der Tat war mein erster Trick auch ein Heelflip im Stand. Markus: Ludi kann doch eigentlich nur den „Unbailbaren“ und den Nollie Tre…haha! Gentsch: Gab es bei dir im Kaff einen Skatepark? Markus: Ne, aber im Nebenkaff gab es einen richtigen Drecks-Park. Aber das war damals eben der Standard. Tim Ovisek, mein Skatebuddy von damals und heute, mit dem ich inzwischen zusammenwohne, und ich waren da wirklich jeden Tag. Wir trafen uns morgens um 9, dann gings kurz zum Mittagessen heim und danach waren wir wieder skaten, bis es dunkel wurde. Das waren schon so 10-Stunden-Schichten. Da war der Fortschritt auch extrem, wenn man mal eben 4 oder 5 neue Tricks an einem Tag lernt. Gentsch: Hast du damals dann auch angefangen, Skatemedien zu konsumieren und über den dörflichen Tellerrand hinauszublicken? Seien es Magazine oder Videos… Markus: Haha…! Ja, das weiß ich noch. Bei uns im Supermarkt habe ich mir immer oben aus dem Regal, wo die ganze Sex-Heftchen standen, das Limited geholt. Da lag Thomas Gentsch zwischen den Pornos…haha! Dann kamen irgendwann auch Videos dazu und damit nochmal neuer Input. Globe „Opinion“ war damals mein favourite Video. Der Part von Ryan Kenreich (RIP) flasht mich auch heute noch. Mit Tim bin ich auch immer mal nach Ulm in die Skatehalle gefahren. Da waren dann auch größere Kids wie Michi Duffner, Manuel Bogner und Xaver Pfriender, also Leute, die man einfach kannte und die für mich natürlich die absoluten Heroes waren. Mit den ganzen „Ulmer-Legenden“ zu skaten war sehr motivierend, da hat man noch mehr aus sich herausgeholt. Zudem gab es damals einige Demos von US-Teams, C1RCA zum Beispiel oder Lakai. Da habe ich mich als 1,30m kleiner Typ irgendwo in der Ecke versteckt und ganz gebannt zugeschaut. Gentsch: Aber sag mal Markus, du bist eigentlich nie so richtig bei Contests durchgestartet, obwohl du schon auch viel Halle gefahren bist.  Markus: Ne, ganz und gar nicht, null. Ich muss sagen, dass ich bei Contests unheimliches Lampenfieber hatte und habe. Ich bin kein Mensch, der einfach alles ausblenden und einen guten Run hinlegen kann. Da bekomme ich richtig zittrige Knie. Allerdings habe ich dennoch einige wenige Erfolge auf Contests gefeiert. Ludi: Klar, hier der Element Contest, oder? Markus: Ja, genau. Ich habe beim „Make it count“ in Deutschland gewonnen und wurde auf das Europafinale eingeladen, wo ich dann Dritter geworden bin. Das war damals in Berlin auf der Bright in dem Holzpark an der Messe. Zwei Jahre später bin ich dann über Instagram nochmal in so ein Europafinale gekommen. Das fand in Cascais, nahe Lissabon, in dem Park direkt am Meer statt, da wurde ich, glaube ich, Vierter. Ansonsten habe ich mich nur auf die kleineren, regionalen
Contests getraut. Ludi: Da haste aber ganz schön nachgelassen, Bless! Wenn ich sehe, wie nervös du heutzutage wirst, wenn du einen Flattrick in einer Line machen musst. Da kann ich mir ja kaum vorstellen, wie du auf einem Contest überhaupt was geschafft hast. Markus: Ja, das Gute an dem „Make it count“-Format war ja, dass man keine Stay-On-Runs fahren musste. Man hatte eine Viertelstunde Zeit zu performen, das war OK für mich. Da konnte ich dann meine paar Banger platzieren und das hat gereicht…haha! Aber es stimmt, was du sagst, Ludi! Ich bin echt ein erbärmlicher Flat-Skater. Aber an Downrails und Hubbas und so Geschichten, da kann ich meine paar Moves und die schaffe ich beim Contest sogar manchmal.

SW FS NOSESLIDE BIGSPIN / THOMAS GENTSCH

Gentsch: Und dann bist du auf Element gekommen, oder? Markus: Ja genau. Ich war kurz vor diesem „Make it count“ Finale mit Michi Mackrodt und ein paar Freuden aus Ulm in Polen in so einem Skatecamp im Wald. Das war total random eigentlich, aber Iris Ritzert, die damals bei Element das Marketing gemacht hat, war auch dabei. Ich habe da gut Gas gegeben und mein erstes Magazinfoto mit Jochen Bauer für das Playboard-Magazin geschossen. Michi meinte dann, dass ich ein paar Element Boards bräuchte. Das lief über Urban Supplies und Felix Stephan schickte mir immer wieder Boxen mit Element-Stuff. Das war eher so ein Flow-Deal, aber es war damals natürlich unfassbar geil für mich, etwas umsonst zu bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle an das gesamte URBAN-Team, das mich heute noch mit Achsen und Rollen versorgt. Gentsch: Damals habe ich da auch noch gearbeitet und mich ein wenig gewundert, als du von Element zu Titus gegangen bist. Wie kam das denn zustande? Markus: Ich hatte einfach Bock auf ein richtiges Team, auf Touren und eine Family. Leider hat das bei dem Flow-Deal völlig gefehlt. Ich wurde zwar vom Element Europe Teammanager auf ein, zwei Trips eingeladen, auf denen ich meiner Ansicht nach ziemlich gut performt habe. Allerdings hatte ich nie das Gefühl, dass bei Element etwas vorwärts ging. Eines Tages rief mich Yannick Schall, damals noch Titus Teammanager, an und meinte, dass ich voll gut ins Team passen würde und alle wollten, dass ich an Board komme. Ich wusste schon vom Hören-Sagen, dass die Stimmung im Team-Titus der Hammer sei und auch viele Touren geplant wären. Die Boards haben mir auch sofort getaugt und ein paar Wochen später saß ich schon im Flieger nach Vietnam. Der Trip hat bestätigt, dass man mit diesem Team die geilste Zeit ever hat. Instant Family quasi. Das ging schon im Flugzeug mit der Gin-Tonic-Flatrate los…hahaha! Ich hatte vor den Jungs echt gut Respekt und umso geiler war es, direkt ein Teil der Crew zu sein, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Gentsch: War Vietnam deine erste Reise auf einen anderen Kontinent? Markus: Ganz genau. Zuvor war ich nur ein paar Mal in Europa unterwegs, aber auch nicht besonders exotisch. Gentsch: Gibt es in Vietnam etwas, was du niemals vergessen wirst? Markus: Ich weiß noch, welch ein Kulturschock das am ersten Tag war. Krank! Überall Kabel, überall Märkte, überall Millionen von Rollern. Ich hatte mich vorher überhaupt nicht informiert und als ich dann vom ruhigen, friedlichen Süddeutschland ins Stadtzentrum von Hanoi geworfen wurde, habe ich echt einen Moment gebraucht, um klarzukommen. Gentsch: Wie war es damals für dich, als du wieder heimgekommen bist? Markus: Naja, also ich muss gestehen, dass ich mich nach zwei Wochen Asien schon wieder auf daheim gefreut habe. Hanoi war extrem hektisch, der Smog wahnsinnig und wir waren nach einer Woche froh, nach Da Nang weiter zu reisen. Da hatte das Ganze etwas schönere Züge, aber insgesamt hat es nach zwei Wochen auch gereicht. Gentsch: Kann ich nachvollziehen. Mittlerweile hast du ja schon einige Trips hinter dir. Gibt es einen, der für dich ganz besonders heraussticht? Markus: Los Angeles! Ganz klar, LA! Das war einfach unreal, ich meine jeder Skater kennt die Spots aus Videos und Video Games und wenn man wirklich da ist und davorsteht, ist es einfach nur verrückt. Für mich lief es da drüben auch super gut. Das war, glaube ich, unsere erste richtige gemeinsame Filmer-Experience, Ludi, oder? Ludi: Ja genau, ich kannte dich vorher noch gar nicht persönlich. Das war auch keine richtige Tour, mehr so eine Filming-Mission von Denny (Pham) und er wollte Blessing mit dabei haben. Burny war zum Fotografieren mit dabei. Markus: Ja, das kam alles ein bisschen unerwartet. Denny hatte mich angerufen und gefragt, ob ich Bock auf LA hätte. Und ich so: „What?! Klar, man!“. Da habe ich Ludi zum ersten Mal getroffen und wir waren direkt ein absolutes Dream-Team. Die erste Woche war radikal, jeden Tag Clips gestackt.

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SW HEELFLIP / THOMAS GENTSCH

Ludi: Ja, das war geil, damals hast du noch richtig performt, wahrscheinlich weil du viel geskatet bist…haha! Gentsch: Hat Bless da auch einen Flattrick gemacht? Ludi: Hmm, jaaa, ich glaube, einen…haha! Es war echt mega, ich habe das Gefühl, dass du auf kleineren Trips mit weniger Leuten etwas besser funktionierst als in einer Riesentruppe. Kann das sein? Markus: Meinst du? Darüber habe ich mir irgendwie noch nie Gedanken gemacht. Aber wenn du es erwähnst, muss ich an Lyon und Wien denken, als wir nicht so viele Fahrer waren. Da hat eigentlich immer alles sehr gut funktioniert, stimmt. Gentsch: Gab es in LA einen Spot, an dem du was Bestimmtes machen wolltest? Markus: Also ich muss sagen, dass ich da sehr open-minded hingeflogen bin. Das war ja auch in meinen Augen eher so Dennys Trip. Ich habe mich immer eher überraschen lassen, wo es hingeht, was aber passt, weil wir schon gerne ähnliche Spots fahren. Es gibt da aber so ein Rail in einer Schule in der Mexican Area, wo ich unbedingt hinwollte. Das ist überdacht und ein bisschen steil. Shane O´Neill hat da mal Kickflip Nosegrind in einer Line gemacht. Das wollte ich unbedingt fahren. Wer mal dort war, dem ist bewusst, dass man ständig über Zäune klettern muss. Wir sind also da rein und da waren überall so Mexican Kids, die auch immer mal mit unseren Boards fahren wollten. Maxi Schaible hat sein Board verliehen und der Dude ist damit einfach verschwunden. Plötzlich kam ein riesen Mob von Mexican Dudes mit Pick Ups angfahren und die standen direkt in der Ausfahrt vom Rail und starrten uns an. Die hatten alle Tattoos und trugen Stirnbänder – absolut „GTA San Andreas-Style“. Da haben wir uns schon ein bisschen eingeschissen und überlegt, doch lieber einzupacken und abzuhauen. Ludi und ich machten aber noch 2-3 Versuche und ich konnte den Trick echt noch ausfahren. Als wir endlich gehen konnten, stellte sich heraus, dass sich die Leute zu einem Freizeitkick getroffen hatten und Maxi bekam auch sein Board wieder. Gentsch: Kommst du denn gut auf diesen LA Vibe klar? Man fährt ja viel mit dem Auto von Spot zu Spot und pusht nur wenig, im Gegensatz zu New York zum Beispiel. Markus: Also ich kann schon gut nachvollziehen, wenn Leute es mögen, von Spot zu Spot zu pushen und vielleicht mal kurz in die U-Bahn zu nehmen. Das finde ich auch geil, aber ich bin auch Fan davon, gezielt einen bestimmten Spot anzusteuern, der ein bisschen außerhalb liegt. Da hat man bisschen Zeit, zu überlegen und sich den passenden Trick vorzustellen. Und wenn man bereits zwei Stunden zu einem Spot in LA fährt und er vielleicht doch nicht so ist, wie man ihn sich vorgestellt hat, skatet man ihn eben trotzdem. In Barcelona oder Berlin läuft man schon gerne mal Gefahr, einen nicht ganz perfekten Spot zu überspringen, weil man um die Ecke einen besseren kennt. Oder umgekehrt den ganzen Tag an einem Manual Spot hängen bleibt. Ludi: Ich hasse das… Markus: Zum Beispiel an der Uni in Barca. Wenn Ludi nicht so streng wäre, würden wir wahrscheinlich den ganzen Tag Uni fahren. Ludi: Ja, das dauert so schon immer eine halbe oder dreiviertel Stunde, das nervt. Wenn man dann noch auf Ike wartet, kommt der nicht nur zu spät, sondern braucht vor Ort auch nochmal eine halbe Stunde, weil erstmal gekifft werden muss. Gentsch: Themenwechsel: Markus, was hast du studiert, beziehungsweise schließt du jetzt langsam aber sicher ab? Markus: Im Bachelor Studiengang habe ich Energiesystemtechnik studiert. Da befasst man sich mit den ganzen erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Solar und Biomasse – schlicht mit allem, was Öko-Strom erzeugt. Allerdings lernt man von allem nur ein bisschen und nicht gerade tiefgehend. Deshalb habe ich noch den Master in „Elektrochemische Energiespeicher und Elektromobilität“ draufgelegt und habe mich auf Lithium-Ionen-Batterien spezialisiert. Gentsch: Simpel formuliert: Du erfindest irgendwann einen Kamera-Akku, der ewig hält? Markus: Genau! Einen, der sich selber und dein Telefon gleichzeitig auflädt. Kleines Scherzchen, aber es ist in der Tat so, dass die Technologie bereits stark ausgereift ist. Man forscht ziemlich intensiv, nur um noch ein paar Prozente mehr Leistung herauszukratzen, gerade was die Lebensdauer betrifft. Aber, wenn ich da mehr ins Detail gehe… Gentsch: …mach mal! Markus: Das große Ziel ist es, metallisches Lithium in der Batteriezelle zu verwenden. Damit könnte man die vierfache Speicherkapazität erreichen oder könnte die Batterien mit gleichbleibender Leistung viermal so klein bauen. Diese Technik funktioniert auch schon, allerdings kann man solche Zellen – Stand heute – nur wenige Male aufladen. „Des isch aktuell s‘gröschte Problemle“.

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SW CROOKS / DANIEL WAGNER

Gentsch: Das klingt auf jeden Fall sehr plausibel.  Ludi: Auf jeden Fall. Ist das dein größter Traum, Blessing? Also arbeitstechnisch. Markus: Nicht direkt. Lithium-Ionen-Zellen sind echt ein komplexes, aber auch enorm faszinierendes und breites Thema. Bevor man etwas Neues entwickeln kann, muss man die ganzen Vorgänge komplett verstanden haben. Ich beschäftige mich aktuell eher mit verschiedenen Separator-Materialen, die entscheidend zur Sicherheit der Zelle beitragen. Gentsch: Hat der Verbrennungsmotor eine Zukunft? Markus: Ja, ganz klar. Ich bin zwar nicht besonders tief in der Elektromobilitätsbranche, eher in der Zelltechnologie generell, aber für einen Umstieg auf 100% elektrisch angetriebene Fahrzeuge ist unsere Infrastruktur nicht ausgelegt. Das gesamte Energienetz müsste angepasst werden und auch die Menge an Strom kann man mit dem Ausstieg aus Atomkraft und Braunkohle gar nicht bereitstellen. Ich bin der Meinung, dass es Verbrennungsmotoren und besonders Dieselfahrzeuge noch eine ganz schöne Weile geben wird. Gentsch: Sogar „besonders Dieselfahrzeuge“? Das überrascht mich jetzt aber. Markus: Ja, in meinen Augen ist der Dieselmotor am besten entwickelt und richtig effizient. Natürlich sind Elektroautos eine feine Sache, aber halt nur für kurze Strecken. Ich denke, die breite Masse will weiterhin ein Auto, mit dem man auch mal einige hundert Kilometer reisen kann, ohne sich vorher Sorgen über mehrere Pausen an Ladesäulen machen zu müssen. Dafür ist ein Dieselhybrid zum Beispiel ideal. Kurze Strecken wie zur Arbeit fährt man rein elektrisch und ansonsten mit sehr geringem Kraftstoffverbrauch. Gentsch: Aber ist das mit den ganzen Batterien und deren Herstellung nicht eine Verlagerung der Verunreinigung? Markus: Also DA muss ich gerade mal reingrätschen. Die Batterietechnologie wurde in den letzten Jahren zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt. Aus Schweden gab es eine Veröffentlichung, die von einem sehr starken Ressourcenverbrauch, besonders von Wasser, für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus berichtete. Das wurde mittlerweile revidiert und die Herausgeber mussten zugeben, dass sie sich schlicht und einfach verrechnet hatten. Und jetzt halt dich fest: Der Lithiumabbau für eine 64 Kilowattstunden-Tesla-Batterie, mit der man circa 500 km am Stück fahren könnte, braucht genauso viel Wasser wie die Produktion einer halben Jeans oder von 8 Avocados. Aber gut, es geht nicht nur um den Wasserverbrauch, sondern auch um andere Materialien wie Kobalt oder so. Aber davon braucht man heutzutage echt nur noch extrem wenig. Wenn ich an „meine Batterien“ denke, haben die vielleicht noch 10% Kobalt im Gegensatz zu den 80% von früher. Zudem ist dieser Anteil zu 95% recyclebar. Das ist also kein „Angriffspunkt“ mehr. Ludi: Wie viele Eier braucht man für ein perfektes Omelett für eine Person? Markus: Ouuuhh, da scheiden sich die Geister. ICH persönlich mache das beste Omelette mit zwei Eiern. Es gibt aber auch richtige Eierfreaks, die drei Eier brauchen. Aber das ist in meinen Augen Quatsch, weil es dann einfach nur noch so ein fetter Fladen wird. Da wird einem eher schlecht.

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FS SMITH / DENNIS SCHOLZ

Gentsch: Ist ein Omelette deine liebste Frühstücksoption? Markus: Auf Tour, ja. Da gibt es jeden Tag Omelette. Ich stehe dann echt jeden Morgen in der Küche und mache für die ganze Mannschaft ein schönes Omelette. Wenn ich hingegen alleine daheim bin, eher nicht. Gentsch: Hast du eigentlich irgendein Laster? Markus: Puuh, einen Haufen. Aber die meisten habe ich ganz gut im Griff, glaube ich. Dass ich nicht skaten gehe, ist auf jeden Fall ein Laster…haha! Ne, Scherz, ich mache manches viel zu akribisch und genau. Aus Dingen, für die man eigentlich nur ein paar Minuten braucht, mache ich schon mal eine halbe Doktorarbeit und verliere viel Zeit und Energie. Ich bin also manchmal sicher etwas ZU perfektionistisch veranlagt. Gentsch: Deswegen auch „The Calculator“? Ludi: Nein, das hängt doch mit dem Omelette zusammen, oder? War das nicht  damals, als wir in Lyon waren und du jeden Morgen ausgerechnet hast, wie viele Eier wir für die und die Anzahl von Personen kaufen müssen und wie viele Zwiebeln und Pilze, wie viel Gramm Käse und so weiter… Markus: Ahhh, jaaaa, stimmt. Alter, mich haben bestimmt schon 100 Leute gefragt, wieso ich der Calculator bin und ich habe, glaube ich, allen die falsche Geschichte erzählt. Aber es stimmt, Ludi. DAS war es! Jeden Morgen die Zutaten genauso zu kalkulieren, dass es aufgeht und keinen Überschuss einer bestimmten Zutat übrig bleibt. Damit jeder gleich zufrieden mit seinem Frühstück ist. THAT‘S the STORY! Gentsch: Was wäre dein ultimatives Achievement im Leben? Markus: Hmm, ja, jetzt als Skateboard-Profi…da muss ich schon überlegen. Es wäre schön, wenn alle meine Homies so alt werden wie ich – also verdammt alt und dass sich in meinem Freundeskreis nie jemand zerstreitet. Abgesehen von der ganzen Corona-Scheiße soll bitte alles so bleiben, wie es ist. Falls ich noch ein paar Worte loswerden darf, möchte ich mich bei einigen Leuten bedanken. Erstmal vielen Dank an das Irregular-Team (Gotti, Fabi, Kili, Nico) für die Möglichkeit, hier in eurem bodenständigen und echten Skatemag zu landen, an die Fotografen Scholzi, Gentsch, Fabien und Dwag und an die Filmer und Motivationsdudes, die mit am Spot waren. Tausend Dank an Julius (Titus), Colin & Vaughan (Nike), Newchurch (Urban Supplies), Pitt & Henning (Lousy Livin), Jan (Hungry Turtle & BCD in Ulm), Mum & Dad & Chrissi, Lisa-Marie + Fam, meine Mitbewohner und ganz besonders Ludi! Danke für alles…

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KICKFLIP BS OVERCROOKS / FABIEN PONSERO

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